Ausbildungsverpflichtung für nichtuniversitäre Gesundheitsberufe im Kanton Bern

Qualification Santé humaine et action sociale BE
(Links) So nicht,  (Rechts) So soll es sein
(Links) So nicht: Zu wenig Fachpersonal, die Patientin muss sich selber betreuen. (Rechts) So soll es sein: Kompetente Betreuung durch Fachpersonal. Damit dies auch in Zukunft möglich ist, hat der Kanton Bern 2012 eine Ausbildungspflicht für alle Betriebe des Gesundheitswesens eingeführt.

Der Bedarf an Fachpersonal in nichtuniversitären Gesundheitsberufen steigt. Der Kanton Bern verpflichtet deshalb seit 2012 alle Betriebe des Gesundheitswesens zur Aus- und Weiterbildung. Jeder Betrieb soll nach dem Grundsatz „Wir bilden aus, wen wir brauchen“ sein Ausbildungspotenzial ausschöpfen. Dafür wird er finanziell entschädigt. Der Erfolg ist gross: Die Zahl der Ausbildungsplätze ist seit 2012 massiv gestiegen.

Der Kanton Bern ermittelt seit dem Jahr 2000 den Bedarf an Nachwuchs in den nichtuniversitären Gesundheitsberufen. Bereits die damaligen Berechnungen liessen einen künftigen Mangel an Fachpersonal erkennen. Deshalb verstärkte der Kanton die Massnahmen für die Rekrutierung von Lernenden und Studierenden und für die Schaffung von Ausbildungsplätzen.

Mehrere im Jahr 2009 veröffentlichte nationale Studien bestätigten die Bedarfsprognosen des Kantons Bern. So steigt gemäss dem Gesundheitsobservatorium (Obsan) der Personalbedarf in nichtuniversitären Gesundheitsberufen in der Schweiz zwischen 2006 und 2020 um 25‘000 bis 48‘000 Personen (16 bis 28%). Zusätzlich scheiden im gleichen Zeitraum allein durch Pensionierungen 60'000 Mitarbeitende aus dem Berufsleben aus, etwa 40% des Personalbestands. Der Bedarf an neuen Fachleuten ist also riesig.

Das Gesundheitswesen bildet aber nur zwei Drittel des benötigten Fachpersonals aus.Einer der Hauptgründe für den Mangel: Viele Spitäler, Kliniken, Heime und Spitex-Organisationen nutzen nur einen Teil ihres Ausbildungspotenzials. Sie müssten mehr Lehrstellen und Praktikumsplätze anbieten.

Alle Betriebe zur Ausbildung verpflichtet

Der Kanton Bern verpflichtet deshalb seit dem 1. Januar 2012 alle Betriebe des Gesundheitswesens, praktische Ausbildung in nichtuniversitären Gesundheitsberufen zu leisten. Dies gilt für:

  • Spitäler und Kliniken (Akut-, Rehabilitations- und Psychiatriekliniken),Suchtfachkliniken, Rettungsdienste und Geburtshäuser,
  • Alters-und Pflegeheime,
  • Spitex-Organisationen,
  • Medizinische Labors, Radiologische Institute, Therapeutische Praxen.

Damit tragen alle Betriebe, die Personal in diesen Berufen beschäftigen, mit ihrer Aus- und Weiterbildung zur Sicherung des Nachwuchses bei. So will der Kanton Bern auch in Zukunft die medizinische und pflegerische Versorgung der Bevölkerung gewährleisten.

Ausbildungspotenzial ausschöpfen

Der Kanton Bern legt für jeden Betrieb fest, wie viele Ausbildungsplätze dieser anbieten muss. Zum Beispiel Lehrstellen für Fachfrauen und Fachmänner Gesundheit oder Praktikumsplätze für Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner. Basis dafür ist die kantonale Versorgungsplanung und das Ausbildungspotenzial des Betriebs. Ein Betrieb muss also nicht mehr ausbilden, als er kann. Bildet er aber unter seinen Möglichkeiten aus, wird dies mit einer Ausgleichszahlung sanktioniert. Für die Ausbildungsleistung wird der Betrieb durch den Kanton finanziell entschädigt. Der Kanton finanziert auch Angebote im Rahmen der Berufswahlvorbereitung. Ausserdem beteiligt er sich weiterhin am Berufsmarketing und der Rekrutierung von Lernenden und Studierenden.

Grosser Erfolg bereits in der Einführungsphase

Die dreijährige Einführungsphase ist 2014 zu Ende gegangen. Der Erfolg ist gross: Die Zahl der Ausbildungsplätze in den Betrieben ist seit 2012 massiv gestiegen. Die Betriebe sind in der Lage, das vom Kanton berechnete Ausbildungspotenzial auszuschöpfen. Das sogenannte Berner Modell der Ausbildungsverpflichtung haben inzwischen andere Kantone übernommen. Die Konferenz der Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren GDK empfiehlt es allen Kantonen.

Documents

Faltprospekt zur Ausbildungsverpflichtung (PDF, 993KB)

Manual zur Ausbildungsverpflichtung im Kanton Bern (PDF, 473KB)

Porteur du projet

Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern

Spitalamt, Dienststelle Berufsbildung

Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern
Rathausgasse 1
3001 Bern

Informations complémentaires

Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern, Spitalamt, Abteilung Gesundheitsberufe
Danny Heilbronn
031 633 79 60
danny.heilbronn@gef.be.ch